Die Tracht der Musikkapelle Deuchelried

Der Zeitgeist geht auch an den "Kleidern" der Musikkapelle nicht spurlos vorüber. - "Kleider machen Leute" - Das kann man auch ganz anschaulich in 175 Jahren MKD nachvollziehen.
Leider können wir aufgrund fehlender Bilddokumente nur vermuten, welche Bekleidung die Gründerväter der MKD getragen haben. Wir gehen davon aus, daß sie in einer landschaftstypischen Tracht musizierten.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde dann der bürgerliche Gehrock und Straßenanzug modern. In der Zeit von 1873 - 1936 sind die Deuchelrieder Musikanten in unterschiedlichsten Varianten dieser Bekleidungsform aufgetreten. Ab 1936 wurde eine grüne Uniform und damit erstmals eine Einheitskleidung getragen.
Im Jahre 1963 hat man sich wieder an die Ursprünge erinnert - Trachten waren wieder modern. Rechtzeitig zum Jubiläumsjahr haben wir uns 1997 eine neue landschaftstypische Allgäuer Bauerntracht - den "Bunten Haufen" angeschafft.


"Der Bunte Haufen"

Es ist 8.15 Uhr, Weißer Sonntag 1992 in einem Musikantenhaus. Die Tracht liegt bereit. Der Hausherr kleidet sich mit Hilfe seiner lieben Gattin an. Er stöhnt und ächzt!
"Vor 4 Wochen beim Frühjahrskonzert hat sie doch noch gepaßt!" Der Musikant und Hausherr ist fast am Verzweifeln. Sämtliche nur denkbare Rundungen treten deutlich hervor. Überall zwickt und zwackt es. Mit letzter Kraft kann die Weste nochmals zugeknöpft werden.
So oder ähnlich ging es in den letzten Jahren in vielen Musikantenhäusern zu. Wie Insider berichteten, war der Hausfrieden zum Teil schon am frühen Morgen empfindlich gestört.
Neben den o.a. Figur-Problemen nagte auch der Zahn der Zeit an der bewährten Tracht der Deuchelrieder Musikanten. 30 Jahre gehen weder an den Trägern noch an den Stoffen spurlos vorbei. Es wurde Zeit, sich über einen Ersatz bzw. Neuanschaffung Gedanken zu machen. Schließlich steht auch das 175-jährige Jubiläum der Musikkapelle 1998 unmittelbar bevor.
Gesagt, getan! Ordentlich, wie man in Deuchelried ist, wurde ein Trachtenausschuß gegründet - und los geht's! Wie soll sie aussehen? Wieviel darf sie kosten? Was ist landschaftsgerecht? Lederhose, ja oder nein? Das ist nur ein Auszug der Fragen, die die Deuchelrieder Musikanten über einen längeren Zeitraum bewegten! Es wurden Informationen gesammelt. Honoratioren befragt! In Gesprächen zwischen unserem Ehrenvorstand E. Wax und OB Dr. Leist wurde die Idee "Bunter Haufen" geboren. Schnell wurde dieser Gedanke aufgenommen. In Eggmansried bei Trachtenforscher G. Hohl wurden wir bestärkt, diesen Gedanken weiterzuverfolgen.
"Bunter Haufen" gründet auf der Tatsache, daß um 1800 die Stoffe nicht wie industrielle Massenwaren in großen Mengen verfügbar waren, sondern der Schneider vor Ort nur ähnliche, aber nicht gleiche Ware auf Lager hatte. Somit war der Ausgangspunkt für eine Tracht in einer Region die gleiche, nur die Stoffe waren eben in Nuancen unterschiedlich.
Über verschiedene Trachtenhersteller landeten wir schließlich in Immenstadt am Alpsee beim Trachtenhaus Schaber. Ein Termin war schnell vereinbart, und Anfang '96 ging es auf nach Immenstadt. Schnell waren unsere Gedanken vorgetragen! Stichwort "Bunter Haufen!!!" - Ungläubiges Nachfragen seitens Anselm Schaber. - "Bunter Haufen???"
Stundenlang wurde diskutiert, vorgeschlagen, begutachtet, für gut befunden, wieder verworfen...! Geduld von allen Seiten war gefragt. Nur eines war nach dem ersten Besuch klar. Eine Lederhose muß es sein! Lederhosenexperte A. Schaber hatte uns alle überzeugt. Was nun folgte, waren Beratungen in unterschiedlicher Besetzung: Trachtenausschuß, gesamte Kapelle, Frau Winkler (Trachtenbeauftrage des Landkreises), A. Schaber. Hin und her wogte die Diskussion. Doch dann war es soweit! Der "Bunte Haufen" - Version Deuchelried war geboren. Leicht abgespeckt zwar, aber doch bunt! Damit war der erste Schritt vollzogen.